Forum-Paris: Cafe in Paris

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Von: ole (Gast)18.04.2005, 23:44
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Bonjour!
Ich fliege am Samstag für drei Tage nach Paris und habe ein paar Fragen.
1. Da wir morgens um 7 Uhr landen und gegen 8 Uhr unser Gepäck am Hotel loswerden, würden wir gern lecker - aber auch nicht zu teuer - frühstücken. Hat da jemand bitte einen Tipp?
2. Kann man den Batobus auch nur für ein paar Stationen nehmen, also nicht gleich eine Tageskarte kaufen?
3. Mittagszeit in Paris: Wo kriegt man denn ein leckeres Baguette auf die Hand oder einen guten kleinen Snack?
Merci!
Von: ole (Gast)19.04.2005, 00:28
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...und habe ich noch vergessen:
4. Wo kann man denn abends schön nen Wein trinken?
Vertrauen:
Von: Bernard19.04.2005, 07:17
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Bonjour Ole,

Frühstücken kann man in jedem Bistro, daß am Morgen geöffnet hat. Einfach mal rumschauen. Während das normale Frühstück, Café au Lait und Croissants, überall zu bekommen ist, sind die üppigeren Frühstücksformen eher in touristischen Gegenden zu finden. Mein Tipp: Schaut doch mal in St. germain, rund ums Odéon.

Es schaut so aus, als ob die Batobus die Einzeltickets abgeschafft hätten. Lohnte sich aber auch nicht sehr, da die Einzeltickets schon für 2-3 Stationen den Preis für's Tagesticket erreichten.

Snacks am Mittag gibt es haufenweise am Boulevard St. Michel zwischen Seine und Boulevard St. Germain oder auch am Montmartre.

Wein mit Atmosphäre? Mein Tipp: Place de la Contrescarpe, liegt zwischen Rue Mouffetard und Rue Déscartes im 5. Arrondissement.
Ansonsten: Paris ist knallvoll mit Cafés, Brasserien und Bistros. Einen netten Ort suchen und hinsetzen. Merke: Wo viele Touristen sind, also an den Hauptstraßen und Boulevards ist es immer teurer, wie in den etwas dahinter liegenden Ecken. Dennoch: viele interessante Lokale gibt's auch im Marais (trotz der Touristen).

Viel Spaß, Ahoi, guten Appetit und à votre santé!

Bernard
Von: ole (Gast)19.04.2005, 10:30
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Bonjour Bernhard!
Erstmal Merci für die vielen schnellen Tipps.
Ich habe aber doch noch eine Frage: Als ich das letzte Mal vor eineinhalb Jahren in Paris war, hatte ich doch Schwierigkeiten ein nettes Lokal für ein paar Gläser Wein zu finden. Wir hatten damals - und jetzt wieder - unser Hotel nahe Montparnasse. Da war sicher viel los, aber es waren eher Restaurants, die geöffnet hatten. Wir haben damals so Recht nichts gefunden und relativ viel bezahlt... Von daher: Wenn Du einen oder mehrere konkrete Tipps für die Ecke - oder eine andere - hättest, wäre ich sehr froh. Einfach eine ehrliche Flasche Wein zu einem nicht überteuerten Preis bestellen und schön sitzen können. Vielleicht fällt Dir noch was ein?

Viele Grüße
Olli
PS: Was denkst Du, was so ein durchschnittliches Frühstück mit Kaffee und Croissant kosten dürfte?
Vertrauen:
Von: Bernard19.04.2005, 18:21
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Bonjour Olli,

das französische Frühstück wir so über'n Daumen bei 5 Euro liegen, je nach Lokal +/- 1 Euro.

In der Rue de Rennes, so etwa in der Mitte, wo der Boulevard Raspail kreuzt, gibt es rechts (wenn man Montparnasse im Rücken hat) ein paar nette Bistros/Cafés mit vergleichsweise normalen Preisen. Ein Tipp: keine Flasche Wein bestellen (bzw. vorher einen Blick in die Karte werfen und Preis vergleichen), sondern schlicht ein Glas Roten oder Weißen. In der Regel ist der offene Wein eh trocken und meist deutlich billiger, wie angebotene ganze Flaschen. Also vorher Karte bzw. Aushang studieren. Höher wie in Allemagne sind die Preise in Paris nun mal - deshalb nuckeln die Franzosen auch meist endlos lange an ihrem Getränk. Das wird aber akzeptiert. Also: so machen wie die Franzosen.

Auch an der Place du 18. Juin 1940 und links und rechts den Boul' Montparnasse rauf und runter gibt es eine Menge Möglichkeiten für ein Gläschen.

Viele Grüße

Bernard
Von: ole (Gast)20.04.2005, 10:26
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Bonjour Bernhard!
Dann kann es ja los gehen - vielen Dank für die Tipps!
Eine allerletzte Frage drängt sich mir grad noch auf: Das Metro-Tagesticket (Zone 1-2) kostet doch um die 5 Euro, das Carnet 10 Euro richtig?
Weil ich wollte eigentlich ab CDG nur die RER für 8 Euro zahlen, dann jeweils ein Tagesticket für die drei Tage nehmen und zurück wieder die RER für 8 Euro.
Das erscheint mir deutlich günstiger als ein Paris Visite-Ticket zu nehmen, zumal ich abgesehen vom Airport eh nur die Zonen 1-2 brauche.
Habe ich da noch einen Denkfehler gemacht?
Bin ja schlecht in Mathe...
Vertrauen:
Von: Bernard20.04.2005, 16:40
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Absolut kein Denkfehler. Die Tageskarte heißt Mobilis und kann überall gekauft werden, wo es Tickets gibt. Man bekommt einen Ausweis und ein Ticket, das zwar aussieht, wie ein normales Ticket, das aber den ganzen Tag lang immer wieder benutzt wird. Also nicht verlieren. Auf den Ausweis schriebt man den Namen des Besitzers, auf das Ticket die Ausweisnummer und das Datum des Gebrauchstages. Fertig. An den nächsten Morgenden einfach den Ausweis vorzeigen und um ein Ticket Mobilis bitten. So einfach ist das. Pro Tag kostet der Spaß für Zone 1+2 5,30 €. Macht für 3 Tage 15,90 €. Dazu die CDG-Fahrt: pro Fahrt 7,85 €. Macht alles in allem: 31,60 €. Die Paris Zone 1-5, die ja die Alternative dazu wäre, kostet für 3 Tage 37,35 €. Kein Kommentar!

Zusammenfassung: Ole nix schlecht in Mathe!!!!!

Viele Grüße

Bernard
Von: ole (Gast)20.04.2005, 21:38
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Nochmal: Merci!
Von: Babsi (Gast)21.04.2005, 21:15
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Meine Eindrücke von Paris.....

Bonjour Bernhard.....

von Paris zurück...ich war ja 7 Tage mit meinem Mann da....ich möchte Dir kurz meine Eindrücke schildern...
zuerst... Paris ist wirklich wunderschön....es hat uns super gefallen...leider meinen Füssen nicht...habe also eine grosse Blase mitgebracht...man hat das Gefühl, man müsste sich alles anschauen, um nichts zu verpassen....ich glaube wir waren überall...was mir in der Metro aufgefallen ist.....ich habe kaum Kinder und ältere Menschen gesehen...sondern nur so 20 bis 35 jährige ...schwarz gekleidet mit Anzug..und Ledertasche...viele haben gelesen..und keiner hat sich unterhalten, geschweige mal gelacht...ich habe keine skurielen Typen gesehen..sowie man sie in Berlin sieht....
wir waren auch im Tire-Bouchon ...wir haben gegegessen wie ,, Gott in Frankreich " lache jetzt..aber es war gut..reichlich...natürlich haben wir auch was getrunken und mit dem Kellner hatten wir sehr viel Spass...er war einer der lustigen Franzosen....auf dem grössten Trödelmarkt hatte ich ein wenig Angst....weil ich einer Schlägerei zugesehen habe...schlimm...natürlich gibt es das auch woanders....
im Lafayette hat es mir sehr gut gefallen...natürlich ist es für uns Frauen eine Herausforderung nicht voll zuzuschlagen....hmmm...naja ein wenig teuer...wo ich aber am meisten beeindruckt war ...das war der Lovre....ja..die Mona Lisa hat gelacht....aber die anderen Bilder waren auch wunderschön...ein Wahnsinn...Eifelturm..2 Stock..höher ging nicht wegen meiner Höhenangst.....
also enttäuschend fand ich Versailles..da muss man nicht unbedingt hin, da haben wir in Deutschland schönere Schlösser....
ansonsten habe ich glaube alles gesehen..was mir wichtig war...beeindruckende Gebäude und Plätze...wirklich....eine Reise nach Paris lohnt sich .....
also die Cafes an der Oper nehmen unverschämte Preise....wir haben uns einen Kaffee in den Nebenstrassen getrunken...essen kann man eigentlich überall billig und gut...

Ich wollte mich noch rechtherzlich für Deine Tips bedanken...die Card/Orange hat sich bewährt....
vielen Dank und viele Grüsse sendet Babsi
Vertrauen:
Von: Bernard22.04.2005, 13:43
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Bonjour Babsi,

Kinder in Paris sind tatsächlich selten. Es gibt mehrere Gründe dafür. Zunächst mal ist Paris eine typische Single- bzw. DINKs-Stadt (DINKS= double income - no kids). Die Wohnungen werden größtenteils als Appartements oder maximal noch als Zweiraumwohnung angeboten. Größere Wohnungen gibt es auch
welche, aber bezahlbar sind die nicht mehr. Den meisten Familien mit Kindern bleibt also nur, in die preiswertere Banlieue zu ziehen. Der Kinderanteil an den Einwohnern ist also tatsächlich gering. Und dann gibt es noch das französische Schulsystem, das die Kinder verschwinden läßt. Es ist normal, die Kinder früh in den Kindergarten, dann in die Vorschule und später in die
allgemeinbildenden Schulen zu geben. Alle diese Institutionen sind
Ganztagseinrichtungen. Die Kinder sind verschwunden. Läuft man gerade mal so gegen 17 Uhr an einer Schule vorbei, dann entdeckt man vor der Tür Massen an Elternteilen, die Ihre Kinder abholen. Es gibt sie also doch, die Kinder. An den Wochenenden müsste man also eigentlich viel mehr Kinder sehen. Tut man aber nicht. Wer traditioneller Franzose ist (und das Geld dafür hat - das haben eben viele Pariser) der fährt am Wochenende mit Kind und Kegel auf's Land, zu Verwandten oder ins Wochenendhaus. Wieder sind die Kinder weg. Man sieht also nur die ganz kleinen Würmchen. Massenweise bei gutem Wetter in den Parks werden sie von der ebenfalls traditionell farbigen Nanny oder vom Au Pair betreut. Mit dem Bac, also in Allemagne dem Abi, sieht man die Kinder, die inzwischen durch Zauberhand erwachsen wurden, wieder auf den Straßen oder in der Metro. Die mehrzahl von ihnen sind Studenten, die dann ja unterscheidliche Vorlesungszeiten haben und deshalb auch wieder tagsüber zu entdecken sind.

Deshalb sieht man auch in den Metros also weitgehend Erwachsene, die oft sehr businesslike gekleidet sind. Wer soll sich denn die Wohnungen leisten, wenn er nicht arbeitet? Und viele, die durchaus ein repräsentatives Auto ihr Eigen nennen, nehmen lieber die Metro, weil's schneller und billiger ist. Selten trifft man Bekannte in der Metro. Und müde ist man meist auch. Also kein Grund, lächelnd durch die Welt zu ziehen. Das ändert sich aber in der Nähe der Wohnung. Hier kennt man die Leute und hier wird dann auch offen und locker kommuniziert. Skurile Typen sieht man tagsüber selten in Paris und wenn, dann handelt es sich eher um Touristen. Das ändert sich, wenn die gute Sonne untergegangen ist. Allerdings weit danach, denn das echte Nachtleben beginnt nicht vor Mitternacht. Also sind die Typen in der Metro eher Mangelware. Aber in den Szenegegenden und Szenelokalen geht dann schon mal die Post ab. Und da sind sie denn auch, die Typen, die von sündhaft teuer bis grell bunt gekleidet sind. Allerdings muß man Beziehungen zur Partyszene haben, um sie zu finden. Die Szene besteht aus mal größeren, mal kleineren Cliquen, die locker miteinander verbunden sind. Ein bestimmtes Lokal wird als "IN" erklärt und alle strömen hin. Hier tanzt dann der Bär. Irgendwann spricht sich das rum und es erscheinen noch mehr Menschen, die aber nicht eigentlich dazugehören. das ist der Moment, wo die nächste Disco zum Inschuppen erklärt wird und von einem Tag zum anderen ist die Szene verschwunden. Damit kann der Lokalbesitzer leben, denn noch lange weiter kommen die Menschen, die eigentlich die Szene suchen und von diesem Ort hörten und die bleiben dann auch - wo sollen sie auch hin? Sie wissen ja nicht wo die grelle Truppe abgeblieben ist. Bis man mal durch Zufall was hört...

Schlägereien sind in Paris sehr selten. Ihr habt da auf dem Trödelmarkt wirklich Pech gehabt. Ich habe in den vielen Jahren noch nie selber eine ernsthafte Prügelei erlebt und nur selten davon gehört.

Versailles war enttäuschend? Es gibt eine Menge schönere Schlösser auch in Allemagne? Ich gebe Dir recht. Versailles ist eine Besonderheit aufgrund der Größe und des opulenten Dekors. Das war's dann aber auch schon. Was rar ist im Schloss sind die (echten) Einrichtungsgegenstände. Vieles mußte noch von den Königen verkauft werden, um den maroden Staatshaushalt zu sanieren, der Rest wurde geplündert in den Revolutionszeiten. Später hat man versucht, die verstreuten Möbel und anderen Gegenstände zurückzukaufen oder zu ersetzen - aber auch eben nur zum Teil. deshalb sehen die Räume in versailles weniger wie Wohnräume aus, sondern haben eher musealen Charakter. Und bei der Masse der Räume dort, befällt den Betrachter mit der Zeit eine gewisse Müdigkeit... Viele Schlösser in Deutschland (und nicht nur hier) sind nach dem Vorbild von Versailles gebaut - nur meist aus Kostengründen kleiner. Damit sind sie aber auch übersichtlicher und dadurch interessanter. Noch interessanter wird es, wenn auch die Inneneinrichtung noch im Original vorhanden ist, was oft der Fall ist. Ich persönlich vermisse in Versailles die Wirtschaftsräume und genau die, wie Küchen, Arbeits- und Wohnräume der Bediensteten etc., würden mich am meisten interessieren. Offensichtlich wollen die Franzosen nichts vom Glanz der Residenz nehmen, indem sie auch Räume für sehr menschliche und profane Tätigkeiten restaurieren und frei geben. Schade. Ich persönlich bevorzuge vor allem Fontainebleau und Malmaison und dann noch das kleinere Vorbild für Versailles, Veau Le Vicomte.

Ein ganz wichtiges Wort hast Du da fast am Ende Deines Berichtes geschrieben: "Nebenstrassen". Ich höre immer wieder, wie teuer es in Paris sei. Und ich sage dann immer wieder: "Kauft nicht und kehrt nicht ein an berühmten Monumenten und in großen Hauptstraßen, wenn Ihr nicht so viel bezahlen wollt!" Denn hier wird immer ein Aufschlag auf den besonderen Ort erhoben. Meist reicht das Einbiegen in die nächste Nebenstraße. Das Bistro dort ist deutlich weniger üppig eingerichtet und hätte oft schon lange mal eine Renovierung verdient aber es ist erheblich preiswerter und gerade vom Essen her oft um Welten besser. Und was das wichtigste ist: man ist ein einem kleinen Stückchen echten Paris, wo die alte Dame von Nebenan mit dem Hund nach den Gassi gehen einkehrt, um sich den Kaffee zu gönnen und den Hund mit Zuckerstückchen langsam zu vergiften, wo die Männer der Propretée de Paris, der Straßenreinigung, mit dem grellgrünen Reisigbesen in der Hand schnell einen Ballon Rouge zu Stärkung für den schweren Job nehmen und wo einfach jeder Nachbar mal kurz reinschaut, um hier die wichtigen Neuigkeiten des Quartiers auszutauschen. Die meisten stehen am Zinc, dem Tresen. Die Spiegel sind leicht blind, die Möbel haben ein historisches Alter, der Boden ist übersäht von Kippen und Zuckerpapier und manchmal sogar noch mit den traditionellen Sägespänen bestreut. Der Patron am Zinc spricht ein fürchterliches Französisch, weil er noch immer diesen schrecklichen Dialekt aus der Auvergne spricht und seine Frau werkelt in der Miniküche herum, um pünktlich die 3 Menus Menus zu Mittag, wenn die Berufstätigen aus den Nachbarhäusern kommen, fertig zu haben. Das ist kein Märchen aus alter Zeit! Es gibt sie noch, diese alten Bistros - aber man muß sie schon suchen. Eher in den Randarrondissements als im Zentrum. Z.B. in der Rue du Faubourg du Temple, wenn man sie von der Place de la République in Richtung Bellville hochgeht... Aber Achtung, meine Damen! Hier werden manchmal sehr alten Traditionen gepflegt, die wir modernen Europäer nicht gut heißen können! Es ist möglich, daß die Dame an der Theke schlicht ignoriert wird. Sie haben dort nichts zu suchen! Extra für sie hat der Wirt doch schließlich seine kleinen Tischchen im Saal. Und nicht vergessen gerade zur Essenszeit: wer nur trinken will, der setzt sich nie an einen eingedeckten Tisch! Das ist in la France eine unverzeihliche Todsünde und wird mit einem Wortschwall und deutlichen Gesten, die zum Tischwechsel auffordern, hart bestraft!

Dir, liebe Babsi, nochmals herzlichen Dank für Deinen Bericht. Möge er Anstoß für unsere kleine Forumfamilie sein, vielleicht doch mal wieder einen kleinen Abstecher in die Stadt der Liebe und der Lichter zu machen! (Wie ich ab morgen !)

Ganz liebe Grüße

Bernard
Dieser Beitrag wurde am 22.04.2005 um 13:43 Uhr von Bernard geändert.
Von: Babsi (Gast)22.04.2005, 17:49
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Bonjour Bernhard....

ich danke Dir sehr für Deine Antwort....
Du, das habe ich mir schon gedacht, dass die Kinder in der Ganztagsschule sind und auch die Kleinen in einem Ganztagskindergarten....schade eigentlich..eine Stadt ohne Kinderlachen....auch in den Parks habe ich sie vermisst....die Parks die so schön mit Blumen bepflanzt worden sind....und da kann man auch mal verweilen von der Stadt die nie schläft....

mit den Bistros hattest Du auch recht....wir haben diese immer bevorzugt....auch wenn der Fussboden mit Kippen übersäht war ..mit Papier...u.s.w. aber sehr gemütlich,....und preiswert....sind...
Ich muss jetzt ein wenig lachen..weisst Du..wir waren auch jene, die sich an einem gedeckten Tisch gesetzt haben und nur was zu trinken haben wollten...ist uns auch passiert...aber so etwas passiert einem ja nur einmal, dann weiss man Bescheid....
In den Nebenstrasse ist es eher gemütlicher und man bekommt da in den kleinen Käselädchen und Weinlädchen alles zu kaufen, worauf man gerade Appetit hat...
schade, dass richtige Nachtleben habe ich leider nicht erlebt...ich war von dem anstrengenden Tag wohl zu müde ....natürlich haben wir uns auch das Rotlichtmileu angeschaut...mein Mann wurde dauernd angesprochen....lache mal umgekehrt..sonst wird man ja eigentlich nur als Frau angesprochen....
hast Du Dir mal das Erotikmuseum angeschaut..die Sachen von früher in Pigalle???? Da ist ja unsere heutige Generation harmlos...muss wieder lachen..naja...

Ich wünsche Dir einen schönen Aufenthalt in Paris....Sonne pur....
schöne Tage....viele Erlebnisse....
Ps....muss jetzt lachen....Du weisst ja wo Du alles findest....Du hättest sicherlich keine Fragen in diesem Forum....

viele liebe Grüsse......Babsi


Bonjour Babsi,

Kinder in Paris sind tatsächlich selten. Es gibt mehrere Gründe dafür. Zunächst mal ist Paris eine typische Single- bzw. DINKs-Stadt (DINKS= double income - no kids). Die Wohnungen werden größtenteils als Appartements oder maximal noch als Zweiraumwohnung angeboten. Größere Wohnungen gibt es auch
welche, aber bezahlbar sind die nicht mehr. Den meisten Familien mit Kindern bleibt also nur, in die preiswertere Banlieue zu ziehen. Der Kinderanteil an den Einwohnern ist also tatsächlich gering. Und dann gibt es noch das französische Schulsystem, das die Kinder verschwinden läßt. Es ist normal, die Kinder früh in den Kindergarten, dann in die Vorschule und später in die
allgemeinbildenden Schulen zu geben. Alle diese Institutionen sind
Ganztagseinrichtungen. Die Kinder sind verschwunden. Läuft man gerade mal so gegen 17 Uhr an einer Schule vorbei, dann entdeckt man vor der Tür Massen an Elternteilen, die Ihre Kinder abholen. Es gibt sie also doch, die Kinder. An den Wochenenden müsste man also eigentlich viel mehr Kinder sehen. Tut man aber nicht. Wer traditioneller Franzose ist (und das Geld dafür hat - das haben eben viele Pariser) der fährt am Wochenende mit Kind und Kegel auf's Land, zu Verwandten oder ins Wochenendhaus. Wieder sind die Kinder weg. Man sieht also nur die ganz kleinen Würmchen. Massenweise bei gutem Wetter in den Parks werden sie von der ebenfalls traditionell farbigen Nanny oder vom Au Pair betreut. Mit dem Bac, also in Allemagne dem Abi, sieht man die Kinder, die inzwischen durch Zauberhand erwachsen wurden, wieder auf den Straßen oder in der Metro. Die mehrzahl von ihnen sind Studenten, die dann ja unterscheidliche Vorlesungszeiten haben und deshalb auch wieder tagsüber zu entdecken sind.

Deshalb sieht man auch in den Metros also weitgehend Erwachsene, die oft sehr businesslike gekleidet sind. Wer soll sich denn die Wohnungen leisten, wenn er nicht arbeitet? Und viele, die durchaus ein repräsentatives Auto ihr Eigen nennen, nehmen lieber die Metro, weil's schneller und billiger ist. Selten trifft man Bekannte in der Metro. Und müde ist man meist auch. Also kein Grund, lächelnd durch die Welt zu ziehen. Das ändert sich aber in der Nähe der Wohnung. Hier kennt man die Leute und hier wird dann auch offen und locker kommuniziert. Skurile Typen sieht man tagsüber selten in Paris und wenn, dann handelt es sich eher um Touristen. Das ändert sich, wenn die gute Sonne untergegangen ist. Allerdings weit danach, denn das echte Nachtleben beginnt nicht vor Mitternacht. Also sind die Typen in der Metro eher Mangelware. Aber in den Szenegegenden und Szenelokalen geht dann schon mal die Post ab. Und da sind sie denn auch, die Typen, die von sündhaft teuer bis grell bunt gekleidet sind. Allerdings muß man Beziehungen zur Partyszene haben, um sie zu finden. Die Szene besteht aus mal größeren, mal kleineren Cliquen, die locker miteinander verbunden sind. Ein bestimmtes Lokal wird als "IN" erklärt und alle strömen hin. Hier tanzt dann der Bär. Irgendwann spricht sich das rum und es erscheinen noch mehr Menschen, die aber nicht eigentlich dazugehören. das ist der Moment, wo die nächste Disco zum Inschuppen erklärt wird und von einem Tag zum anderen ist die Szene verschwunden. Damit kann der Lokalbesitzer leben, denn noch lange weiter kommen die Menschen, die eigentlich die Szene suchen und von diesem Ort hörten und die bleiben dann auch - wo sollen sie auch hin? Sie wissen ja nicht wo die grelle Truppe abgeblieben ist. Bis man mal durch Zufall was hört...

Schlägereien sind in Paris sehr selten. Ihr habt da auf dem Trödelmarkt wirklich Pech gehabt. Ich habe in den vielen Jahren noch nie selber eine ernsthafte Prügelei erlebt und nur selten davon gehört.

Versailles war enttäuschend? Es gibt eine Menge schönere Schlösser auch in Allemagne? Ich gebe Dir recht. Versailles ist eine Besonderheit aufgrund der Größe und des opulenten Dekors. Das war's dann aber auch schon. Was rar ist im Schloss sind die (echten) Einrichtungsgegenstände. Vieles mußte noch von den Königen verkauft werden, um den maroden Staatshaushalt zu sanieren, der Rest wurde geplündert in den Revolutionszeiten. Später hat man versucht, die verstreuten Möbel und anderen Gegenstände zurückzukaufen oder zu ersetzen - aber auch eben nur zum Teil. deshalb sehen die Räume in versailles weniger wie Wohnräume aus, sondern haben eher musealen Charakter. Und bei der Masse der Räume dort, befällt den Betrachter mit der Zeit eine gewisse Müdigkeit... Viele Schlösser in Deutschland (und nicht nur hier) sind nach dem Vorbild von Versailles gebaut - nur meist aus Kostengründen kleiner. Damit sind sie aber auch übersichtlicher und dadurch interessanter. Noch interessanter wird es, wenn auch die Inneneinrichtung noch im Original vorhanden ist, was oft der Fall ist. Ich persönlich vermisse in Versailles die Wirtschaftsräume und genau die, wie Küchen, Arbeits- und Wohnräume der Bediensteten etc., würden mich am meisten interessieren. Offensichtlich wollen die Franzosen nichts vom Glanz der Residenz nehmen, indem sie auch Räume für sehr menschliche und profane Tätigkeiten restaurieren und frei geben. Schade. Ich persönlich bevorzuge vor allem Fontainebleau und Malmaison und dann noch das kleinere Vorbild für Versailles, Veau Le Vicomte.

Ein ganz wichtiges Wort hast Du da fast am Ende Deines Berichtes geschrieben: "Nebenstrassen". Ich höre immer wieder, wie teuer es in Paris sei. Und ich sage dann immer wieder: "Kauft nicht und kehrt nicht ein an berühmten Monumenten und in großen Hauptstraßen, wenn Ihr nicht so viel bezahlen wollt!" Denn hier wird immer ein Aufschlag auf den besonderen Ort erhoben. Meist reicht das Einbiegen in die nächste Nebenstraße. Das Bistro dort ist deutlich weniger üppig eingerichtet und hätte oft schon lange mal eine Renovierung verdient aber es ist erheblich preiswerter und gerade vom Essen her oft um Welten besser. Und was das wichtigste ist: man ist ein einem kleinen Stückchen echten Paris, wo die alte Dame von Nebenan mit dem Hund nach den Gassi gehen einkehrt, um sich den Kaffee zu gönnen und den Hund mit Zuckerstückchen langsam zu vergiften, wo die Männer der Propretée de Paris, der Straßenreinigung, mit dem grellgrünen Reisigbesen in der Hand schnell einen Ballon Rouge zu Stärkung für den schweren Job nehmen und wo einfach jeder Nachbar mal kurz reinschaut, um hier die wichtigen Neuigkeiten des Quartiers auszutauschen. Die meisten stehen am Zinc, dem Tresen. Die Spiegel sind leicht blind, die Möbel haben ein historisches Alter, der Boden ist übersäht von Kippen und Zuckerpapier und manchmal sogar noch mit den traditionellen Sägespänen bestreut. Der Patron am Zinc spricht ein fürchterliches Französisch, weil er noch immer diesen schrecklichen Dialekt aus der Auvergne spricht und seine Frau werkelt in der Miniküche herum, um pünktlich die 3 Menus Menus zu Mittag, wenn die Berufstätigen aus den Nachbarhäusern kommen, fertig zu haben. Das ist kein Märchen aus alter Zeit! Es gibt sie noch, diese alten Bistros - aber man muß sie schon suchen. Eher in den Randarrondissements als im Zentrum. Z.B. in der Rue du Faubourg du Temple, wenn man sie von der Place de la République in Richtung Bellville hochgeht... Aber Achtung, meine Damen! Hier werden manchmal sehr alten Traditionen gepflegt, die wir modernen Europäer nicht gut heißen können! Es ist möglich, daß die Dame an der Theke schlicht ignoriert wird. Sie haben dort nichts zu suchen! Extra für sie hat der Wirt doch schließlich seine kleinen Tischchen im Saal. Und nicht vergessen gerade zur Essenszeit: wer nur trinken will, der setzt sich nie an einen eingedeckten Tisch! Das ist in la France eine unverzeihliche Todsünde und wird mit einem Wortschwall und deutlichen Gesten, die zum Tischwechsel auffordern, hart bestraft!

Dir, liebe Babsi, nochmals herzlichen Dank für Deinen Bericht. Möge er Anstoß für unsere kleine Forumfamilie sein, vielleicht doch mal wieder einen kleinen Abstecher in die Stadt der Liebe und der Lichter zu machen! (Wie ich ab morgen !)

Ganz liebe Grüße

Bernard
Vertrauen:
Von: Bernard23.04.2005, 10:56
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Bonjour Babsi,

nein, das Erotikmuseum in Pigalle kenne ich nur von Außen. Das in Hamburg habe ich mir schon mal angesehen. Ich vermute, daß es sehr ähnlich ist. Wenn ich allerdings an den Marquis de Sade denke und mich daran erinnere, daß er mehr in der Bastille oder in anderen Gefängnissen saß als alles andere, dann könnte ich mir doch vorstellen, daß die Exponate sich von denen in Hamburg unterscheiden. Mal schauen, ob die Zeit für das Museum bleibt.

So, und nun werden die Koffer gepackt!

Viele Grüße

Bernard

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